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Thomas Dietz, Schönfeld

„Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils.” 2. Kor. 6,2

Liebe Gemeinde in der Schweinfurter Christuskirche!

Zunächst möchte ich Ihnen danken für diese Einladung nach Schweinfurt und in Ihre Gemeinde. Heute hier zu sein ist mir eine Freude, ich gestehe aber auch eine Bürde. „Was schreib ich meiner Kirche ins Stammbuch” hat sich für mich vor einigen Jahren leichter, vor allem erfreulicher dargestellt, als es heute der Fall ist. Im Hinblick der kirchlichen Entwicklung der letzten Jahre, des kirchlichen Auftretens in der deutschen Öffentlichkeit, auch im Zusammenhang des diesjährigen Reformationsjubiläums, quälen mich Bauchschmerzen.

Erwarten Sie bitte keine Predigt, keinen theologisch durchdachten Vortrag, sondern hören sie die Worte eines Landpfarrers, der aus einer ganz anderen kirchlichen Situation kommt und aus seinen Erfahrungen berichtet.

Vor 30 Jahren kam ich als junger Vikar in die Uckermark, in eine Landschaft und einen Landkreis rund 120 km nordöstlich von Berlin, in eine landwirtschaftlich geprägte Region, die anders ist anders als die sonstige Mark Brandenburg, nämlich keine „märkische Sandstreubüchse“, sondern ein guter, fruchtbarer Boden. Die Uckermark war seit Jahrhunderten die Kornkammer der Mark. Die Pfarrstelle befand sich in einem von vier zu betreuenden Kirchdörfern. Das Dorf Schönfeld zählte damals 250 Einwohner. Die Pfarrstelle selbst war zehn Jahre unbesetzt, aus dem Pfarrhaus wucherten Flieder und Holunder. Die Fenster waren mit Pappe und Brettern zugenagelt. Zwei Jahre lang wurde das Pfarrhaus unter den bescheidenen Verhältnissen der DDR-Zeit saniert. Als ich meine Möbel in das Haus trug, lief ein alter Mann vorbei und sagte: „Was wollen Sie denn hier, einen Pfarrer brauchen wir nicht!”

Dass die Pfarrstelle überhaupt zur Besetzung freigegeben wurde, war einem kleinen, überalterten Gemeindekirchenrat zu verdanken, der unermüdlich bei der Leitung der Landeskirche, der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, für dem Erhalt und eine Neubesetzung kämpfte. Die Kirchen in den vier Dörfern waren sämtlich baupolizeilich gesperrt, es gab Jahrzehnte lang keine Taufen und Konfirmationen, Gottesdienste fanden alle vier Wochen nur im Pfarrhaus statt. Ich erlebte 1989/90 die Wende in unseren Dörfern. Ich wurde von der Bevölkerung gebeten, die Wende vor Ort zu begleiten, zu moderieren. In der Folgezeit erlebte ich den Zusammenbruch von Betrieben, hohe Arbeits- und Perspektivlosigkeit. Schmerzlich wurde die Schließung von Kindergärten und Schulen erfahren. Die Versorgung mit vielen alltäglich notwendigen Dingen wurde auf ein schwer zu ertragendes Maß hinuntergefahren. Die Wege zu den Schulen wurden immer weiter, ihre Ausstattung ist auch heute noch mangelhaft! Ganze Unterrichtsfächer fallen monatelang wegen Lehrermangel aus. Am nächstgelegenen Gymnasium unterrichtete bis vor kurzem ein Polizeibeamter in seiner Freizeit das Fach Mathematik. Der Sportunterricht wurde auf primitivster Basis durchgeführt, weil sämtliche Sportgeräte durch den TÜV gesperrt wurden. Angeblich sei für alles kein Geld da.

Ich erlebte den Zuzug von Familien aus den alten Bundesländern, die landwirtschaftliche Betriebe übernahmen, die Kirchengemeinde stärken und die Kirche dankbar als Integrationsraum wahrnehmen. Ich erlebte aber auch sehr schmerzlich den Wegzug der jungen Generation. Von den Konfirmanden, die ich über die Jahrzehnte meines Dienstes in der Uckermark begleiten durfte, ist fast niemand mehr vor Ort. Arbeitsbedingt sind sie in den Westen unseres Landes gewechselt. Das Dasein für Familien mit Kindern ist eine organisatorische und mentale Meisterleistung.

Heute gehören zur Pfarrstelle Schönfeld 14 Dörfer mit 11 mittelalterlichen Kirchen. Sie sind alle restauriert. Die Kirchen sind unter Anleitung der Denkmalpflege – ausschließlich von Gemeindegliedern und Dorfeinwohnern – ausgemalt worden. Und jede Kirche für sich, und mag sie noch so klein sein und im noch so kleinsten Dorf liegen, erzählt Ortsgeschichte und erzählt von der Jahrhunderte langen und bis heute anhaltenden Verkündigung des Evangeliums, „von der Zeit der Gnade, von dem Tag des Heils“. Alle Kirchen werden heute regelmäßig zu Gottesdiensten genutzt, in unterschiedlichem Rhythmus. Es gibt also wieder Kirchengemeinden, kleine Kirchengemeinden.

Die Region ist stark gebeutelt. Ich vermute, sie ist die am dünnsten besiedelte Region Deutschlands. Im Bereich unserer Pfarrstelle leben heute rund 2200 Menschen, davon 600 evangelische Gemeindeglieder. Die Tendenz ist fallend, denn die Dörfer werden kleiner. In Schönfeld – der Ort zählte bei meiner Ankunft 250 Einwohner – leben heute nicht einmal mehr 150 Einwohner. Zurück blieben alte Menschen und ein sozial angeschlagenes Milieu. Es gibt „Familien” in denen die Kinder drei oder vier verschiedene Familiennamen tragen. Bei Hausbesuchen springt die gleiche Anzahl von Hunden über Tische und Bänke. Wenn die Kinder nicht die Möglichkeit der Freizeitangebote der Kirchengemeinde nutzen könnten, würden sie den gesamten Sommer an der Bushaltestelle verbringen. Wir haben Kinder erlebt, die in der 7. Klasse erstmalig das Meer sahen, die nur einhundert Kilometer entfernte Ostsee.

Trotz dieser Bedingungen – oder gerade deswegen – ist die Verkündigung der Frohen Botschaft des Evangeliums und die unermüdliche Begleitung der Menschen vor Ort wichtig. Wir versuchen zu ermutigen und zu trösten und zu begleiten. Wir feiern in unseren Dorfkirchen an die 200 Gottesdienste jährlich. Wir organisieren zahlreiche Angebote für Kinder und Jugendliche: Wöchentliche Treffs, Freizeiten für Kinder und Jugendliche in den Ferien, Camps am Wochenende, wir bieten Gitarren- ,Flöten- und Bläsergruppen an, wir haben einen Chor mit 25 bis 30 Sängern, der von einem hervorragenden polnischen Chorleiter, Dozent an der Musikakademie in Stettin, geleitet wird. Wir haben Frauen-, Männer- und Seniorenkreise, wir pflegen sehr intensiv Gemeindepartnerschaften mit dem südwestdeutschen Raum und bis nach Lettland. Wir haben einen Musikwettbewerb ausgelobt, an dem in diesem Jahr zum neunten Mal mehrere hundert Kinder und Jugendliche aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Polen und Lettland teilnahmen, wir unterhalten einen Park mit Labyrinthen und Irrgärten, der jährlich von mehreren tausend Menschen besucht wird. Wir tun das, um in einer völlig entkirchlichten Gegend Menschen zu bewegen, über ihre innere Mitte nachzudenken:  Was ist meine Mitte? Worauf lebe ich hin? Was hält mich, was trägt mich, was gibt mir Mut? Ist meine Mitte Jesus Christus?

 

Zum Labyrinthpark, der unmitelbar an der Bundestraße zwischen Berlin und der Insel Usedom liegt,  gehört eine mittelalterliche Kirche, die fünfzig Jahre lang dem totalen Verfall und Vandalismus preisgeben war. Die Landeskirche und der Kirchenkreis wollten sie aufgeben und zur Nutzung als Möbellager verkaufen. Unsere Gemeindekirchenräte entschieden anders. Die Kirche konnte restauriert werden. Im Fußboden befindet sich heute ein in Deutschland einmaliges Labyrinth. Diese Kirche ist inzwischen eine der meistbesuchten Kirchen im Norden Brandenburgs. Und nicht zuletzt unterhalten wir als Kirchengemeinde ein Seniorenhaus für Betreutes Wohnen. Nachdem viele junge Leute unsere Dörfer verlassen haben, blieben die alten Eltern zurück. Eines Tages sagten sie zu uns: „Ich kann Haus und Hof nicht mehr unterhalten, die Kinder sind im Westen sesshaft geworden und werden nicht mehr zurückkommen. Ich muss verkaufen und in die Stadt ziehen. Leider gibt es hier keine Bleibe für mich“. Unsere Kirchengemeinden kauften vor einigen Jahren ein ruinöses Herrenhaus und bauten dieses zur Wohnanlage mit neun Appartements aus. „Jetzt ist die Zeit der Gnade…” Sie können gewiss sein, dass unsere Gemeindekirchenräte und ich diese Möglichkeiten als Gnade, als Geschenk ansehen, vor allem die Tatsache, dass wir so für die Menschen vor Ort wirken dürfen, ganz nah!

 

Um nun konkreter zu werden mit meinem Eintrag ins „Stammbuch“, möchte ich einige persönliche Bezüge schildern. Ich bin geprägt von der kirchlichen Situation im Osten der Siebziger- und Achtzigerjahre. Ich wuchs in einem christlichen Elternhaus auf; meine Eltern versuchten, unter den Bedingungen der DDR einen geraden und aufrichtigen Weg zu gehen. Geprägt wurde ich aber vor allem von meiner Großmutter, die aus einer preußisch-konservativen, christlichen Lebenseinstellung heraus trotz eines großen sozialen Abstiegs nach 1945 eine überzeugende Dankbarkeit und Würde ausstrahlte. Sie war fromm, so fromm wie Matthias Claudius formuliert: „Lass uns einfältig werden und vor dir hier auf Erden wie Kinder fromm und fröhlich sein!” Ich erlebte in der DDR die kirchliche Kinder – und Jugendarbeit, Christenlehre und Konfirmandenunterricht, Junge Gemeinde und Jugendkantorei als die einzigen Freiräume in der DDR. Kirche war klein geworden, in die Ecke gedrängt, manchmal auch schäbig. Wer sich zu ihr bekannte mußte mit Nachteilen z.B. in der schulischen und beruflichen Entwicklung rechnen. Kirche trat bescheiden auf, sie sah sich in der Nachfolge der Bekennenden Kirche. Sie verkündete klar die frohe Botschaft des Evangeliums. Aus dieser Kraft heraus konnte sie 1989/90 bei aller Bescheidenheit die Ereignisse der Wende begleiten und moderieren. Die Zeit der Gnade war unmittelbar auf der Straße erfahrbar. Kirche wurde auch von ihrem größten Gegner, den sozialistischen staatlichen Behörden, anerkannt und teilweise um Vermittlung gebeten. Obwohl der größte Teil der Bevölkerung in der DDR nicht der Kirche angehörte, hatten die Menschen Zutrauen.

 

Ich wage zu sagen und ich tue das mit großer Traurigkeit: Dieses Zutrauen ist verspielt. Dieses Zutrauen ist verspielt, weil unsere Kirche die Verkündigung des Evangeliums mit einseitigen ideologischen und politischen Statements vermengt. Dies ist ernüchternd, besonders ernüchternd, weil es im Jahr des Reformationsjubiläums in aller Deutlichkeit zu Tage tritt.

 

Konkret: Unsere Bischöfe werden nicht müde, auf die größer werdenden Gemeinsamkeiten mit unseren katholischen Schwestern und Brüder zu verweisen. Vielleicht mag dies in einzelnen dogmatischen Lehrfragen der Fall sein, in den alltäglichen, für die Menschen erfahrbaren Lebensbereichen ist es das nicht. In sozialethischer Hinsicht trennen die beiden großen Konfessionen die Wege mehr denn je. Der Kölner Kardinal Woelki hat dies jüngst bestätigt. Beschämend gegenüber unseren Gemeindegliedern empfinde ich die Haltung der Evangelischen Kirche zur „Ehe für alle”. Ohne biblische Grundlage, dem linken Mainstream vorauseilend, führten mehrere evangelische Landeskirchen die „Ehe für alle” noch vor dem Bundestagsbeschluss ein. Dass der Staat dies tut, ist eine Sache, dass wir als Kirche dies tun und der Rat der EKD sich ausdrücklich hinter die „Ehe für alle” stellt, ist für den Protestantismus desaströs. Viele Gemeindeglieder stößt diese Entscheidung vor den Kopf, und es sind vor allem die Gemeindeglieder, die unsere Gemeinden im Alltag tragen. Vor gut zwanzig Jahren hat unsere Kirche erklärt, dass die Institution Ehe ausschließlich heterosexuellen Paaren vorbehalten bleiben muss. Und nun gilt das nicht mehr? Mit welcher Begründung? Wer von den kirchlichen Spitzenkräften versteht überhaupt noch, was in frommen christlichen Gemütern vorgeht? Die frommen, unsere Gemeinden tragenden Kräfte, können überhaupt nicht nachvollziehen, wie eine Kirche, die sich an Bibel, Bekenntnis und geistliche Tradition bindet, ja sich auf Martin Luther beruft, derartig vor dem Säkularismus und der Beliebigkeit einknicken kann.

Ich kann Ihnen weitere Beispiele nennen, die mich beschämen. Jährlich finden in Städten unseres Landes die sogenannten „Märsche für das Leben” statt. Katholische, orthodoxe und gut evangelische Christen engagieren sich für den Schutz und die Würde des Lebens ungeborener und geborener Menschen. Der von der Teilnehmerzahl größte Marsch für das Leben findet jedes Jahr Mitte September in Berlin statt. Er wird organisiert vom Bundesverband Lebensrecht. Die Katholische Kirche unterstützt diese Aktion. Katholische Bischöfe nehmen daran teil und halten die Andacht bzw. den Gottesdienst. Von den evangelischen Bischöfen erklären die von Sachsen und Pommern im Namen ihrer Landeskirchen ihre Solidarität. Die anderen evangelischen Bischöfe bzw. Landeskirchen schweigen. Sie haben zu dem Thema nichts zusagen. Das gilt auch für die evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, in deren Bereich, vor deren Haustür, diese Veranstaltung stattfindet. Schlimmer noch: Das evangelische Domkollegium unter der Leitung der jetzigen Präses der EKD verwehrte den Teilnehmern die erbetene Nutzung des Berliner Domes für den abschließenden ökumenischen Gottesdienst. Mehrere tausend Teilnehmer des „Marsches für das Leben”, alles fromme Christen, feierten so den Gottesdienst im strömenden Regen im Lustgarten vor dem Berliner Dom. Hinter einer Absperrung von hunderten Polizisten, die die friedlichen Lebensmarschierer vor teilweise militanten Gegendemonstranten schützen mussten, brüllten Letztere: „Hätte Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben” oder „Nieder mit Jesus und für den Feminismus!”. Zu dieser Gegendemonstration rufen regelmäßig die Parteien  „Die Linke” und „Die Grünen“, Teile der SPD und der Gewerkschaften, der Schwulen- und Lesbenverband und sowie die aus Steuermitteln unterstützte militante „Antifa“ auf. Auch der Regierende Bürgermeister von Berlin solidarisiert sich mit der Gegendemonstration. Und unsere Kirche schweigt und versagt damit jämmerlich!

 

Wie sollen das Gemeindeglieder verstehen, die kindlich glauben, einfältig die Bibel lesen, ehrfurchtsvoll im Gottesdienst sitzen und sich uneigennützig für das wohl ihrer Gemeinden einsetzen?

 

Weite Teile unserer Evangelischen Kirche sind zu einer gesellschaftlichen Institution degeneriert, die keine eigenen Maßstäbe mehr zu setzen wagt und dadurch ihr Wächteramt verloren hat.

Ein weiteres Beispiel: Stichwort „Gender”. Die EKD hat nichts Wichtigeres zu tun, als auch hier dem allgemeinen Mainstream zu folgen und ein Zentrum für „Genderfragen in Theologie und Kirche” zu eröffnen. Die Leiterin behauptete in einem Interview, „dass eine eindeutige Zuordnung des biologischen Geschlechtes aufgrund weiblicher und männlicher Gehirne nicht möglich sei”. Diese Aussage widerspricht jeglicher wissenschaftlichen Erkenntnis, wird aber von unserer Kirche als völlig normal empfunden. Wer die Gender-Ideologie und ihre Anwendung in der Kirche hinterfragt, wer sich erregt, dass jahrhundertealte Liedtexte „gegendert“ werden, wie es jüngst zum Kirchentag geschehen ist, wird als homophob, rückwärtsgewandt, ungebildet, vielleicht sogar als rechtsradikal bezichtigt, ein probates Mittel heutzutage, um unliebsame Kritiker zum Schweigen zu bringen!

 

Hier – wie auch in anderen grundsätzlichen Bekenntnisfragen der Christlichen Religion – wird nicht mehr glaubwürdig das Evangelium verkündet, sondern man lamentiert sich durch die grammatikalischen Verrenkungen einer „inklusiven” Sprache, die die Wahrheit ignoriert und jegliche religiöse und liturgische Ästhetik zerstört.

 

In vielen unserer Kirchen und in der Breite der Gesellschaft sind eine Verachtung für das Wort Gottes und ein erschreckender religiöser Analphabetismus zu beobachten. Um noch einmal zum leidigen Thema „Gender“ und den angeblich so großen Gemeinsamkeiten der beiden großen christlichen Konfessionen zu kommen: Der von protestantischen Würdenträgern so hochgelobte Papst Franziskus erklärte: „Der große Feind der Ehe ist die Gender-Theorie. Es gibt heute einen Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören. Er wird nicht mit Waffen geführt, sondern durch ideologische Kolonisierung. Darum ist es wichtig, die Ehe zu verteidigen!” Papst Franziskus: rückwärtsgewandt, homophob, ungebildet, rechtsradikal?

 

Ich frage: Wo bleiben die klaren Stellungnahmen und Verlautbarungen der EKD zum Schutz des ungeborenen Lebens, zu Ehe und Familie? Wissen unsere leitenden Bischöfe überhaupt, was es für ein durchschnittlich verdienendes Elternpaar heißt, Kinder groß zu ziehen und einer guten und soliden Ausbildung zuzuführen? Wo bekommen eigentlich Eltern und Familien Hilfe, Ermutigung, Anleitung zur Vermittlung von Werten? Wo werden Eltern in ihrer Erziehungsleistung gewürdigt? Wie machen wir alleinerziehenden Müttern Mut, ihre Kinder großzuziehen, so dass sie die Chance bekommen, ihr Leben als Geschenk, als Gnade zu erfahren? „Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils.”

 

Ich schilderte Ihnen zu Beginn, wie ich erleben durfte, wie die Kirchen in der DDR aus der Kraft des Evangeliums 1989 /90 die gesellschaftliche Wende moderieren und wesentlich beeinflussen konnten, so dass wir in Deutschland das Wunder der friedlichen Wiedervereinigung erleben durften, was wohl niemand von uns auch nur zu erhoffen gewagt hatte. Die heutige EKD wäre dazu nicht in der Lage. Sie hat in den vergangenen Jahren so stark und taktlos politisiert und polarisiert, dass sie das Vertrauen der Bevölkerung verloren hat. Die Kirche ließ es zu – nein, Vertreter der Kirche beteiligten sich sogar daran, dass normale Gemeindeglieder, die beispielsweise die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung hinterfragten, als Nazis beschimpft und damit mundtot gemacht wurden. Treuen Gemeindegliedern, die sich bekannten, der AfD beigetreten zu sein oder die es wagten, öffentlich zu sagen, sie würden diese Partei wählen, wird abgesprochen, Christ zu sein.

Regelmäßig werden rechtsradikale Gewaltausbrüche verurteilt. Aber wo bleibt die Verurteilung linker Gewalt? Hat man die Stimme der EKD deutlich genug vernommen nach den linksextremen Gewaltausbrüchen zum G20-Gipfel in Hamburg? Vernimmt man die Stimme der EKD zugunsten der Opfer der SED-Gewaltherrschaft? Bis heute hat die Partei „Die Linke” dafür keine Verantwortung übernommen – und die EKD schweigt. Gemeindeglieder im Osten, die sich aktiv für ihre Kirche einsetzten, die Jahrzehnte unter der Gewaltherrschaft der SED gelitten haben, haben für diese Einseitigkeit kein Verständnis!

 

Statt Raum zu geben für einen politischen Diskurs, beteiligte sich die EKD und verschiedene Kirchenleitungen am Niedergang der politischen Kultur in Deutschland. Die lutherische Lehre von den zwei Reichen scheint unserer Kirche unbekannt zu sein. Gewiss – man kann sagen: Das Evangelium allein könnte ja schon als „Politikum“ verstanden werden. Aber dann muss man auch in der Lage sein, zwischen der Verkündigung des Evangeliums und der eigenen politischen Meinung zu unterscheiden. Hier erlebe ich viel Unredlichkeit.

 

Unsere Kirche versteht sich als Kirche der Reformation. Massenhaft werden Bücher, Hochglanzbroschüren und Ideenpapiere gedruckt, um mittels Reformen unsere Kirchengemeinden zukunftsfähig zu gestalten. Alle diese Reformversuche sind zum Scheitern verurteilt, weil sie bestimmt werden von der Angst, von der Angst des zu Kleinwerdens, von der Angst des weniger werdenden Geldes, von der Angst des schwindenden Einflusses. Einer solchen Haltung fehlt alle Zukunftshoffnung. Und wenn Sie, liebe Hörer, Berichte von engagierten Gemeindegliedern lesen über „Reformen” in ihren Kirchenkreisen,

ich verweise auf das Buch “Kirche der Reformation?“ der Theologieprofessorin Gisela Kittel, so werden sie schockiert sein, über so viel Überheblichkeit und Kaltschnäuzigkeit von Kirchenleitungen gegenüber Gemeinden und ihren Vorständen, gegenüber Pfarrern und Mitarbeitern, gegenüber den angeblich so hochgelobten Ehrenamtlichen.                Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass christliche Gemeinden in der Not immer Wege fanden, um zu überleben, weil sie nicht aus Angst, sondern aus Glaubenshoffnung und Leidenschaft für das Evangelium handelten. Denn das ist unser Schatz. Das vertreibt die Angst und öffnet die Augen für die Realität und die Not der Menschen.

 

 

Was schreibe ich meiner Kirche ins Stammbuch im Jahr des Reformationsjubiläums? Sie werden vielleicht erschrocken sein über meine Worte. Aber ich gestehe: Ich stehe hier und kann nicht anders.

Die Reformation kann für uns Christen nicht nur ein historisches Ereignis sein, sondern ist klarer und handfester Auftrag für Gegenwart und Zukunft. Wenn wir als Kirche die Reformationsbotschaft ernst nehmen, wonach jeder Mensch allein aus der Gnade lebt, dann führt dies zu einer Haltung der Demut. Dann ist uns öffentlicher Applaus nicht wichtig, sondern dann können und sollen wir auch „der Welt” – „dem Mainstream“ – ein Ärgernis sein. Dann können wir auch damit leben, ggf. kleiner zu werden. Dann stellen wir nämlich das Evangelium in die Mitte und können von daher auf die entscheidenden Fragen der Menschheit nach Leid, Schuld und Tod eine genuin christliche Antwort geben. Also, liebe Kirche, bitte gehe in Demut und Zuneigung zu den Menschen Deiner eigentlichen Aufgabe mit Leidenschaft nach: Der Verkündigung des Evangeliums.   „Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils.” (2. Kor. 6,2)

 

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit und möchte schließen mit dem Wort des Apostel Paulus:

„Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.“ Amen!

Presse

Mitte März – die vielen Ostereier in den Vorgärten mögen den Eindruck erwecken, wir sind in der Osterzeit. Aber falsch gedacht: Wir sind mitten in der Passionszeit, der Zeit, die an das Leiden Christi erinnert und in der unmittelbaren Woche vor Ostern, der Karwoche, ihren Höhepunkt erreicht. Im Ursprung eine stille Zeit. Auch ich besinne mich in dieser Woche. Am 25. 3. 2018, am Palmsonntag , war in der Musikkirche in Malchow (Pfarrsprengel Schönfeld) die musikdramatische Schilderung der Ereignisse um den Tod Jesu zu hören, die „Markuspassion“ von Reinhard Keiser. Der Name dieses Komponisten war vielen Besuchern unbekannt, aber Pfarrer Dietz half uns weiter. Er erinnerte an den Karfreitag des Jahres 1713.  Reinhard Keiser, 39 Jahre alt, damals ein sehr bekannter Opernkomponist in Hamburg , bringt seine Markuspassion in Weimar zur Aufführung und der Dirigent des damaligen Konzertes ist kein geringerer als J.S. Bach. Die große Wertschätzung wird uns bewusst und so sind wir voller Erwartung.

Die Sänger des Singkreis Schönfeld , verstärkt durch das Vokalensemble Agniculi Stettin, das Preußische Kammerorchester Prenzlau und die phantastischen Solisten Ralph Eschrig (Tenor), Anna Musik ( Sopran), Izabela Rudnicka (Alt), Rafal Pawnuk (Bass) füllen den Chorraum der Kirche aus. Der junge Dirigent und Chorleiter Lukasz Popialkiewicz  tritt vor das große Ensemble: Warmer Streicherklang erfüllt das Kirchenschiff und dann der erste Chorsatz:

„Jesus Christus ist um unser Sünden…“ – kunstvoll, überraschend sanft, ein wunderbarer voller Chorklang! Es bleibt keine Zeit darüber nachzudenken, denn nun führt der Evangelist (Ralph Eschrig von der Deutschen Oper Berlin ) in das Geschehen ein und gleich vernehmen wir die wunderbare, tief berührende weiche Bassstimme des Jesus (Rafal Pawnuk, u.a. an der Oper in Zürich). Dann ein Dialog mit Petrus , seinem Jünger, sparsam werden ihre Rezitative begleitet, unser Ohr gewöhnt sich schnell an diese besondere Gesangsform. Die erste Arie „Will dich die Angst betreten“, eine liedhafte Melodie , singt ein Engel ? Nein, die Cellobegleitung – der hervorragende Cellist der Preussen Balint Gergely – wirkt erregt.

In den folgenden 1 1/2 Stunden erleben wir in unvergleichlicher Weise das dramatische Geschehen jener Tage : den Verrat und den Mord an Jesus. Die Musik, obwohl schon über 300 Jahre alt, lässt uns Angst und Verzweiflung, Schmerz  und Trost spüren. Unvergesslich für mich die Sopran-Arie „O Golgatha! Platz herber Schmerzen“.  Und sehr aussagestark auch der Choral „Wenn ich einmal soll scheiden..“, der Komponist zitiert hier die 9. und 10. Strophe von Paul Gerhardts  Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“.  Die volle und warme Stimme der Altistin berührt hier mehr als es der Choralsatz, der sonst erklingt, vermocht hätte. Auf alle Mitwirkenden schien der Funke von Keisers musikalischem Einfallsreichtum übergesprungen zu sein. Ganz beeindruckt waren wir von der Leistung der Chorsänger, aufrüttelnd die vielen dramatischen Chöre, die aufgeputschte Volksmenge darstellend,  wie „Kreuzige ihn“, „Weissage uns“, „Gegrüßet seist du!“ oder  „Er hat andern geholfen“.  Wunderschön die Choräle, wie „Was mein Gott will, das gescheh allzeit“ oder „O hilf Christe Gottes Sohn“ Unter dem präzisen und einfühlsamen Dirigat von Lukas Popialkiewicz erlebten wir eine wunderbare Aufführung. Als nach einer Chorfuge mit dem finalen Amen das Konzert endet,  folgt absolute Stille, Gebet, kein Beifall, das Gehörte soll nachklingen, das Erlebte nachwirken. Viele Zuhörer sind tief bewegt. Man sieht es ihren Gesichtern an!

 

Hochachtung und Dankbarkeit gegenüber allen Ausführenden des Konzertes erfüllten wohl alle Besucher in diesen Minuten!

Noch vor wenigen Jahren war die Kirche in Malchow eine Ruine. Ist es nicht ein Wunder jetzt ein solches Konzert dort erleben zu dürfen?

(Hannelore Witzsch, Prenzlau ehemalige Musiklehrerin)

 

Bundesverdienstkreuz

Am 3. Oktober 2015, am 25. Jahrestag der Deutschen Einheit, erhielt Herr Pfr. Thomas Dietz bei einem Festakt in Prenzlau aus den Händen des Landrates der Uckermark, Herrn Dietmar Schulze, das Bundesverdienstkreuz.
Lesen Sie hierzu die Laudatio von Viktor von Seyfried, Berlin.

Laudatio

Sehr verehrter Herr Ministerpräsident,
sehr verehrter Herr Kreistagsvorsitzender,
sehr verehrter Herr Landrat,
sehr verehrter Herr Bürgermeister,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

Zunächst bedanke ich mich sehr herzlich für die Einladung zur heutigen Feierstunde und den Auftrag, die Laudatio für diese Ehrung zu halten.

Der Bundespräsident hat es vor zwei Tagen bei seiner Laudatio in Berlin so ausgedrückt:

„Wenn der Staat einen Orden verleiht, dann nicht nur in Anerkennung der persönlichen Verdienste, sondern auch mit der Hoffnung, dass eine solche Wertschätzung auf andere Menschen ausstrahlt. Sie alle hier zeichnet aus, dass Sie Herausragendes leisten. Ihr Engagement sagt uns: Man kann etwas Besonderes bewegen, man kann etwas tun für andere, kann sich einmischen, sich die Freiheit nehmen, die Welt zum Besseren zu verändern. Ohne diese besondere Idee, diese besondere Begabung, diese besondere Tat wäre unser Land ärmer. Ihr Schaffen kann eine Inspiration für möglichst viele sein.“

Die Arbeit von Thomas Dietz verfolge ich seit unserer ersten Begegnung im Predigerseminar der Ev. Kirche in Brandenburg im Jahre 1988, wo ich ihn im Zuge eines Betreuungsprogramms für junge Pfarrerinnen und Pfarrer der Evangelischen Kirche in Brandenburg durch den Johanniterorden kennenlernte. Seither riss der Kontakt nicht mehr ab und ich durfte bei seiner Ordinationsfeier im Oktober 1989 (in den Wochen der Wende) in seiner Pfarre dabei sein (indem ich mitten durch den Einzug mit dem PKW rauschte !). Seither hat sich unsere spontan entstandene Freundschaft ständig erneuert. Unsere drei Kinder wurden von ihm getauft.

Thomas Dietz wurde am 11.4.1960 in Kleinmachnow als jüngster Sohn des weltweit anerkannten Tierarztes und Pferdechirurgen Professor Olof Dietz und seiner Frau Dr. Christa geborene Krause-Bergmann, geboren. Seine ältere Schwester Gabriele ist Fachärztin für Orthopädie in Berlin. Verheiratet ist Thomas Dietz mit Gudrun, geborene Wawrsich aus Stralsund. Beide haben zwei adoptierte Kinder, Ulrike und Max, die selbst hier im Kreis Uckermark zur Welt gekommen sind und bereits unzählige Ehrungen und Preise als begnadete Musiker an der Geige und am Schlagzeug entgegen nehmen durften. Darauf kann die Familie wirklich stolz sein.

Doch zurück zu Thomas Dietz. Nach einem kurzen Gastspiel als Student der Binnenfischerei entdeckte er sehr schnell seine Begabung, als Menschenfischer besser zu wirken und begann folgerichtig mit dem Theologiestudium, das er 1985 abschloss, um nach einem 2-jährigen Ausflug in die Krankenpflege dann mit dem Vorbereitungsdienst für das Pfarramt fortzusetzen. Nur am Rande sei erwähnt, dass er damit den Berufswünschen seines Vaters in keiner Weise entsprechen wollte, der sich später dann aber mit seiner endgültigen Berufung versöhnt hat.

Anfangs betreute er vom Pfarrhaus in Schönfeld aus die umliegenden Dörfer Klockow, Tornow und Neuenfeld, jedes mit einem uralten und sanierungsbedürftigen Kirchengebäude gesegnet. Neben der Sanierung des baufälligen Pfarrhauses bis 1990 – unter den Bedingungen einer mangelnden Materialwirtschaft noch während der DDR-Zeit – waren diese Kirchgebäude nach und nach denkmalgerecht innen wie außen saniert. Bald wurde auch noch ein Jugendhaus in Klockow als Treffpunkt der Jugend aus den umliegenden Dörfern eröffnet. Mit der zunehmenden Ausdünnung der Pfarrdienste im ländlichen Raum wurden ihm Zug um Zug weitere Gemeinden anvertraut, deren Betreuung er mit dem gleichen Herzblut übernahm. So kamen dazu:

_ Schenckenberg und Kleptow, sowie
_ Baumgarten und Ludwigsburg

_ Carmzow und Cremzow
– Göritz und Malchow an der B 109
Nebenbei sei erwähnt, dass dies auch bedeutet, vier Gemeindekirchenräte parallel zu „dirigieren“. Gerade Malchow, mit seiner gut sichtbaren Kirchenruine lag ihm besonders am Herzen, wovon noch zu sprechen sein wird.

Wie viele von Ihnen aus eigener Anschauung erleben konnten, hat dieser in und neben seinem theologischen Wirken eine außerordentliche Lebensleistung erbracht, für die es lohnt, diese auch von Seiten der Bundesrepublik Deutschland zu würdigen.

Seit seinem Eintritt in den Entsendungsdienst in dieser damals abgelegenen Region unseres Landes im Jahr 1989 hat es ihm einen Herzenswunsch erfüllt, in dieser von seinerzeit geistlichem Zuspruch entfernten Gegend gegen alle Widerstände die Menschlichkeit in Christi Wort wieder zurück zu bringen.

Bedingt durch den kurz darauf einsetzenden friedlichen Wandel war es ihm nun möglich, die ihm anvertrauten Kirchengebäude Stück um Stück zu einem Ort der Begegnung und Freude für die Menschen in seinen Gemeinden zu rekonstruieren. Dabei gelang es ihm, in den 16 Dörfern, die er jetzt betreut, alle elf alten Dorfkirchen in einen perfekten baulichen Zustand zu versetzen, in dem nun Gemeindeleben und Gottesdiensterfahrung möglich sind.

Unzähligen Menschen hat er dabei geholfen, beruflich neue Perspektiven zu finden oder sich auch in die Arbeit in den Gemeinden zu integrieren, selbst wenn sie vorher dem kirchlichen Leben fern standen, vielleicht sogar nicht einmal getauft waren.

Ein reges Gemeindeleben, Kontakte in andere Regionen unseres Vaterlandes und in die Nachbarländer und Einladung ehemals vertriebener Familien aus diesen Dörfern zur tätigen und finanziellen Mithilfe haben ihm einen großen Unterstützerkreis bei seinen Vorhaben beschert. Dazu gehört auch die Gründung der Carl-Büchsel-Stiftung mit dem internationalen Malchower Kirchenpreis und dem Malchower Labyrinthpark.

Gerade diese Projekte haben ihn lange begleitet und intensiv beschäftigt, sah er doch hier die Chance, mit weiter Ausstrahlung für das blühende Gemeindeleben in dieser Region zu werben. Viele vorbeifahrende Touristen nehmen das wahr und genießen ihre kurzen Pausen im Labyrinthpark auf der Weiterfahrt Richtung Ostsee !

Gekrönt wird sein bisheriges Wirken durch die Eröffnung eines Hauses für betreutes Wohnen in dem Gutshaus von Ludwigsburg im letzten Jahr, das jetzt wohl voll belegt ist.

Schon lange gärte in ihm der Wunsch, das alte Gutshaus, dem er durch familiäre Bande innig verbunden ist, mit neuem Leben zu erfüllen. Hatten wir beide gemeinsam schon in den frühen neunziger Jahren ein ähnliches Projekt im ehem. Landschulheim in Klockow im Auge, ließ es sich mit 20 jähriger Verspätung endlich realisieren und hier ein optisch wie menschliches Kleinod herstellen. Wer es noch nicht getan, sollte es unbedingt nachholen, diesen Ort kennen zu lernen. Ein Wermuthstropfen bleibt, dass der Umzug seiner Mutter von Berlin-Pankow in diese Umgebung, die so sehr ihrer dörflichen Herkunft im früheren Schlesien, jetzt in Polen, ähnelt, dann doch nicht klappte.

Aus meinen Schilderungen können Sie unschwer ersehen, dass es mir ein Herzensanliegen war, diesen Vorschlag zur Ehrung durch das Bundesverdienstkreuz dem Bundespräsidenten zu unterbreiten und darauf zu hoffen, dass ihm diese Ehrung wenn auch nicht mehr rechtzeitig zu seinem 25. Dienst-Jubiläum im letzten Jahr, so doch aber zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands, zu deren Gelingen auch unser Gelobter einen ganz wesentlichen Beitrag geleistet hat, erreicht. Von diesem Engagement konnte sich der Bundespräsident ja bei einem gelegentlichen Besuch hier vor Ort – in Kleptow – selbst einen Eindruck machen. Umso mehr fiel dieser Vorschlag auf fruchtbaren Boden und die Entscheidung für diese Verleihung ging dann schneller als erwartet durch die Gremien der Ordenskanzleien in Potsdam und Berlin.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass diese Leistungen nicht ohne einen treuen und geduldigen Partner an der Seite so erfolgreich hätten durchgesetzt werden können. Gerade Dir, liebe Gudrun gilt deshalb auch unser aller Dank und die spezielle Anerkennung !

Lieber Thomas, ich freue mich, dass Du diese Auszeichnung erhältst und sie auch annimmst, auch wenn es diesmal schon wieder keine alte Uhr geworden ist !!

Um noch mal den Bundespräsidenten zu zitieren:

„Nicht nur ihm ist zu gratulieren sondern der Bundesrepublik Deutschland, weil sie solche Menschen in ihrer Mitte hat, Menschen, deren Hingabe und Leistungsbereitschaft sie zu einer ganz besonderen Auszeichnung geführt haben – zum Orden für die Hochverdienten.“

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und darf nun das Wort weiterreichen an die Herren des

Victor von Seyfried, Berlin