Lang - Laudatio

 

Sehr verehrter Herr Ministerpräsident,

sehr verehrter Herr Kreistagsvorsitzender,

sehr verehrter Herr Landrat,

sehr verehrter Herr Bürgermeister,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

 

Zunächst bedanke ich mich sehr herzlich für die Einladung zur heutigen Feierstunde und den Auftrag, die Laudatio für diese Ehrung zu halten.

 

Der Bundespräsident hat es vor zwei Tagen bei seiner Laudatio in Berlin so ausgedrückt:

 

„Wenn der Staat einen Orden verleiht, dann nicht nur in Anerkennung der persönlichen Verdienste, sondern auch mit der Hoffnung, dass eine solche Wertschätzung auf andere Menschen ausstrahlt. Sie alle hier zeichnet aus, dass Sie Herausragendes leisten. Ihr Engagement sagt uns: Man kann etwas Besonderes bewegen, man kann etwas tun für andere, kann sich einmischen, sich die Freiheit nehmen, die Welt zum Besseren zu verändern. Ohne diese besondere Idee, diese besondere Begabung, diese besondere Tat wäre unser Land ärmer. Ihr Schaffen kann eine Inspiration für möglichst viele sein.“

 

Die Arbeit von Thomas Dietz verfolge ich seit unserer ersten Begegnung im Predigerseminar der Ev. Kirche in Brandenburg im Jahre 1988, wo ich ihn im Zuge eines Betreuungsprogramms für junge Pfarrerinnen und Pfarrer der Evangelischen Kirche in Brandenburg durch den Johanniterorden kennenlernte. Seither riss der Kontakt nicht mehr ab und ich durfte bei seiner Ordinationsfeier im Oktober 1989 (in den Wochen der Wende) in seiner Pfarre dabei sein (indem ich mitten durch den Einzug mit dem PKW rauschte !). Seither hat sich unsere spontan entstandene Freundschaft ständig erneuert. Unsere drei Kinder wurden von ihm getauft.

Thomas Dietz wurde am 11.4.1960 in Kleinmachnow als jüngster Sohn des weltweit anerkannten Tierarztes und Pferdechirurgen Professor Olof Dietz und seiner Frau Dr. Christa geborene Krause-Bergmann, geboren. Seine ältere Schwester Gabriele ist Fachärztin für Orthopädie in Berlin. Verheiratet ist Thomas Dietz mit Gudrun, geborene Wawrsich aus  Stralsund. Beide haben zwei adoptierte Kinder, Ulrike und Max, die selbst hier im Kreis Uckermark zur Welt gekommen sind und bereits unzählige Ehrungen und Preise als begnadete Musiker an der Geige und am Schlagzeug entgegen nehmen durften. Darauf kann die Familie wirklich stolz sein.

Doch zurück zu Thomas Dietz. Nach einem kurzen Gastspiel als Student der Binnenfischerei entdeckte er sehr schnell seine Begabung, als Menschenfischer besser zu wirken und begann folgerichtig mit dem Theologiestudium, das er 1985 abschloss, um nach einem 2-jährigen Ausflug in die Krankenpflege dann mit dem Vorbereitungsdienst für das Pfarramt fortzusetzen. Nur am Rande sei erwähnt, dass er damit den Berufswünschen seines Vaters in keiner Weise entsprechen wollte, der sich später dann aber mit seiner endgültigen Berufung versöhnt hat.

Anfangs betreute er vom Pfarrhaus in Schönfeld aus die umliegenden Dörfer Klockow, Tornow und Neuenfeld, jedes mit einem uralten und sanierungsbedürftigen Kirchengebäude gesegnet. Neben der Sanierung des baufälligen Pfarrhauses bis 1990 - unter den Bedingungen einer mangelnden Materialwirtschaft noch während der DDR-Zeit – waren diese Kirchgebäude nach und nach denkmalgerecht innen wie außen saniert. Bald wurde auch noch ein Jugendhaus in Klockow als Treffpunkt der Jugend aus den umliegenden Dörfern eröffnet. Mit der zunehmenden Ausdünnung der Pfarrdienste im ländlichen Raum wurden ihm Zug um Zug weitere Gemeinden anvertraut, deren Betreuung er mit dem gleichen Herzblut übernahm. So kamen dazu:

_ Schenckenberg und Kleptow, sowie
_ Baumgarten und Ludwigsburg

_ Carmzow und Cremzow
-  Göritz und Malchow an der B 109
Nebenbei sei erwähnt, dass dies auch bedeutet, vier Gemeindekirchenräte parallel zu „dirigieren“. Gerade Malchow, mit seiner gut sichtbaren Kirchenruine lag ihm besonders am Herzen, wovon noch zu sprechen sein wird.

Wie viele von Ihnen aus eigener Anschauung erleben konnten, hat dieser in und neben seinem theologischen Wirken eine außerordentliche Lebensleistung erbracht, für die es lohnt, diese auch von Seiten der Bundesrepublik Deutschland zu würdigen.

Seit seinem Eintritt in den Entsendungsdienst in dieser damals abgelegenen Region unseres Landes im Jahr 1989 hat es ihm einen Herzenswunsch erfüllt, in dieser von seinerzeit geistlichem Zuspruch entfernten Gegend gegen alle Widerstände die Menschlichkeit in Christi Wort wieder zurück zu bringen.

Bedingt durch den kurz darauf einsetzenden friedlichen Wandel war es ihm nun möglich, die ihm anvertrauten Kirchengebäude Stück um Stück zu einem Ort der Begegnung und Freude für die Menschen in seinen Gemeinden zu rekonstruieren. Dabei gelang es ihm, in den 16 Dörfern, die er jetzt betreut, alle elf alten Dorfkirchen in einen perfekten baulichen Zustand zu versetzen, in dem nun Gemeindeleben und Gottesdiensterfahrung möglich sind.

Unzähligen Menschen hat er dabei geholfen, beruflich neue Perspektiven zu finden oder sich auch in die Arbeit in den Gemeinden zu integrieren, selbst wenn sie vorher dem kirchlichen Leben fern standen, vielleicht sogar nicht einmal getauft waren.

Ein reges Gemeindeleben, Kontakte in andere Regionen unseres Vaterlandes und in die Nachbarländer und Einladung ehemals vertriebener Familien aus diesen Dörfern zur tätigen und finanziellen Mithilfe haben ihm einen großen Unterstützerkreis bei seinen Vorhaben beschert. Dazu gehört auch die Gründung der Carl-Büchsel-Stiftung mit dem internationalen Malchower Kirchenpreis und dem Malchower Labyrinthpark.

Gerade diese Projekte haben ihn lange begleitet und intensiv beschäftigt, sah er doch hier die Chance, mit weiter Ausstrahlung für das blühende Gemeindeleben in dieser Region zu werben. Viele vorbeifahrende Touristen nehmen das wahr und genießen ihre kurzen Pausen im Labyrinthpark auf der Weiterfahrt Richtung Ostsee !

Gekrönt wird sein bisheriges Wirken durch die Eröffnung eines Hauses für betreutes Wohnen in dem Gutshaus von Ludwigsburg im letzten Jahr, das jetzt wohl voll belegt ist.

Schon lange gärte in ihm der Wunsch, das alte Gutshaus, dem er durch familiäre Bande innig verbunden ist, mit neuem Leben zu erfüllen. Hatten wir beide gemeinsam schon in den frühen neunziger Jahren ein ähnliches Projekt im ehem. Landschulheim in Klockow im Auge, ließ es sich mit 20 jähriger Verspätung endlich realisieren und hier ein optisch wie menschliches Kleinod herstellen. Wer es noch nicht getan, sollte es unbedingt nachholen, diesen Ort kennen zu lernen. Ein Wermuthstropfen bleibt, dass der Umzug seiner Mutter von Berlin-Pankow in diese Umgebung, die so sehr ihrer dörflichen Herkunft im früheren Schlesien, jetzt in Polen, ähnelt, dann doch nicht klappte.

Aus meinen Schilderungen können Sie unschwer ersehen, dass es mir ein Herzensanliegen war, diesen Vorschlag zur Ehrung durch das Bundesverdienstkreuz dem Bundespräsidenten zu unterbreiten und darauf zu hoffen, dass ihm diese Ehrung wenn auch nicht mehr rechtzeitig zu seinem 25. Dienst-Jubiläum im letzten Jahr, so doch aber zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands, zu deren Gelingen auch unser Gelobter einen ganz wesentlichen Beitrag geleistet hat, erreicht. Von diesem Engagement konnte sich der Bundespräsident ja bei einem gelegentlichen Besuch hier vor Ort – in Kleptow -  selbst einen Eindruck machen. Umso mehr fiel dieser Vorschlag auf fruchtbaren Boden und die Entscheidung für diese Verleihung ging dann schneller als erwartet durch die Gremien der Ordenskanzleien in Potsdam und Berlin.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass diese Leistungen nicht ohne einen treuen und geduldigen Partner an der Seite so erfolgreich hätten durchgesetzt werden können. Gerade Dir, liebe Gudrun gilt deshalb auch unser aller Dank und die spezielle Anerkennung !

Lieber Thomas, ich freue mich, dass Du diese Auszeichnung erhältst und sie auch annimmst, auch wenn es diesmal schon wieder keine alte Uhr geworden ist !!

Um noch mal den Bundespräsidenten zu zitieren:

„Nicht nur ihm ist zu gratulieren sondern der Bundesrepublik Deutschland, weil sie solche Menschen in ihrer Mitte hat, Menschen, deren Hingabe und Leistungsbereitschaft sie zu einer ganz besonderen Auszeichnung geführt haben – zum Orden für die Hochverdienten.“

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und darf nun das Wort weiterreichen an die Herren des Landratsamtes !

 

 

Victor von Seyfried, Berlin




vlnr. Herr Landrat Dietmar Schulze, Herr Pfr. Thomas Dietz und Herr Victor von Seyfried  bei der Preisverleihung